Montage & Lagerung24. September 2026 4 Min. Lesezeit

Reifendruck richtig prüfen: Der unterschätzte Faktor für Sicherheit und Verbrauch

Es dauert fünf Minuten, kostet an den meisten Tankstellen nichts – und trotzdem fahren viele Autos in der Schweiz mit zu wenig Luft in den Reifen. Das merkt man nicht sofort: Das Auto fährt ja. Doch ein falscher Reifendruck verlängert den Bremsweg, erhöht den Verbrauch und lässt die Reifen schneller verschleissen. Hier erfahren Sie, wie Sie es richtig machen.

Warum der Reifendruck so wichtig ist

Die Kontaktfläche eines Reifens mit der Strasse ist etwa so gross wie eine Postkarte. Über diese vier Flächen laufen sämtliche Brems-, Lenk- und Antriebskräfte. Stimmt der Druck nicht, verändert sich die Form dieser Fläche – und damit das gesamte Fahrverhalten.

ZustandWas passiert
Zu wenig DruckReifen walkt stärker, erhitzt sich, Schultern nutzen sich ab, höherer Verbrauch, schwammiges Lenkverhalten, erhöhte Aquaplaning-Gefahr
Richtiger DruckGleichmässiger Verschleiss, optimaler Grip, kürzester Bremsweg, tiefster Verbrauch
Zu viel DruckKleinere Aufstandsfläche, weniger Haftung, Mitte nutzt sich ab, härterer Fahrkomfort

Besonders gefährlich ist deutlicher Unterdruck auf der Autobahn: Der Reifen erhitzt sich durch das ständige Durchwalken stark. Im schlimmsten Fall kann die Struktur beschädigt werden.

Wo steht der richtige Wert?

Nicht auf dem Reifen selbst. Die Zahl auf der Seitenwand ist der maximal zulässige Druck – nicht der empfohlene. Den richtigen Wert für Ihr Fahrzeug finden Sie an einer dieser Stellen:

  • Aufkleber im Rahmen der Fahrertür (häufigster Ort)
  • Innenseite der Tankklappe
  • Bedienungsanleitung des Fahrzeugs
  • Bei vielen neueren Autos im Menü des Bordcomputers

Auf dem Aufkleber stehen meist mehrere Werte: für halbe und volle Beladung sowie teils für verschiedene Reifengrössen. Die Angabe erfolgt in bar, manchmal zusätzlich in psi oder kPa.

So messen Sie richtig – Schritt für Schritt

  1. Möglichst bei kalten Reifen messen: nach höchstens wenigen Kilometern Fahrt, idealerweise an der nächstgelegenen Tankstelle
  2. Ventilkappe abschrauben und gut aufbewahren
  3. Messgerät fest auf das Ventil drücken, bis kein Zischen mehr zu hören ist
  4. Wert ablesen und mit der Herstellerangabe vergleichen
  5. Luft nachfüllen oder ablassen, bis der Wert stimmt
  6. Ventilkappe wieder aufschrauben – sie schützt vor Schmutz und Feuchtigkeit
  7. Alle vier Reifen prüfen, beim Notrad oder Reserverad ebenfalls

Warm gemessen – was nun?

Nach einer längeren Fahrt steigt der Druck durch die Erwärmung an. Lassen Sie in diesem Fall keine Luft ab. Messen Sie lieber später bei kalten Reifen nochmals, oder füllen Sie bei warmen Reifen etwa 0,2 bis 0,3 bar über dem Sollwert auf und kontrollieren Sie später.

Wie oft sollte man prüfen?

Reifen verlieren auch ohne Schaden langsam Luft – typischerweise etwa 0,1 bar pro Monat. Das summiert sich schnell.

  • Mindestens einmal pro Monat
  • Vor jeder längeren Fahrt oder vor den Ferien
  • Nach dem Saisonwechsel, also nach der Montage von Sommer- oder Winterreifen
  • Bei starken Temperaturwechseln, etwa beim ersten Kälteeinbruch im Herbst

Der Temperatureffekt wird oft unterschätzt: Pro zehn Grad Temperaturabfall sinkt der Druck um rund 0,1 bar. Wurde ein Reifen im warmen Oktober aufgepumpt, kann im Januar bei Minustemperaturen schon deutlich zu wenig Luft drin sein.

Die Warnleuchte im Cockpit: Was sie kann – und was nicht

Neue Personenwagen in der Schweiz und der EU sind seit 2014 mit einem Reifendruck-Kontrollsystem ausgestattet. Es gibt zwei Varianten:

SystemFunktionsweiseHinweis
DirektSensoren im Rad messen Druck und oft TemperaturZeigt teils konkrete Werte pro Rad; Sensoren beim Reifenwechsel beachten
IndirektNutzt ABS-Sensoren und erkennt DrehzahlunterschiedeNach dem Aufpumpen oder Reifenwechsel neu kalibrieren

Wichtig: Das System warnt erst bei deutlichem Druckverlust. Es ersetzt die regelmässige Kontrolle nicht. Und ein indirektes System merkt nicht, wenn alle vier Reifen gleichmässig Luft verlieren.

Stickstoff statt Luft – lohnt sich das?

Manche Betriebe bieten Stickstofffüllungen an. Stickstoff diffundiert etwas langsamer durch das Gummi, der Druck bleibt also etwas länger stabil. Für normale Personenwagen ist der Vorteil im Alltag aber gering. Normale Luft besteht ohnehin zu rund 78 Prozent aus Stickstoff. Wer monatlich kontrolliert, braucht keine Stickstofffüllung.

Häufiger Druckverlust? Das kann dahinterstecken

  • Ein Nagel oder eine Schraube im Profil
  • Defektes oder altes Ventil
  • Korrodierte Felge, die an der Kontaktstelle nicht mehr dicht abschliesst
  • Schaden nach einem Randsteinkontakt

Verliert ein Reifen immer wieder Luft, lohnt sich eine Kontrolle beim Fachbetrieb. Oft ist die Ursache schnell gefunden und günstig behoben.

Neue Reifen mit Montage

Beim Reifenkauf bei MEDIALTIRES wählen Sie Lieferung nach Hause oder Montage bei einem Partner – inklusive Druckkontrolle.

Passende Reifen finden
Wo finde ich den richtigen Reifendruck für mein Auto?

Meist auf einem Aufkleber im Türrahmen der Fahrerseite, in der Tankklappe oder in der Bedienungsanleitung. Der Wert auf dem Reifen ist der Maximaldruck, nicht der empfohlene.

Wie oft sollte ich den Reifendruck kontrollieren?

Mindestens einmal im Monat, vor längeren Fahrten und nach jedem Saisonwechsel.

Soll ich bei warmen Reifen Luft ablassen?

Nein. Warme Reifen zeigen einen höheren Druck an. Messen Sie idealerweise bei kalten Reifen.

Ersetzt die Reifendruck-Warnleuchte die manuelle Kontrolle?

Nein. Das System warnt erst bei deutlichem Druckverlust und erkennt nicht alle Situationen zuverlässig.

Die passenden Reifen für Ihr Fahrzeug finden

Grösse eingeben und Preise inkl. MwSt vergleichen. Bei Unsicherheiten prüfen wir die Freigabe für Ihr Fahrzeug.

Weitere Ratgeber-Themen