Die Reifen sehen noch gut aus, das Profil reicht locker – also alles in Ordnung? Nicht unbedingt. Gummi altert auch dann, wenn ein Auto kaum gefahren wird. Wer das Herstellungsdatum seiner Pneus nicht kennt, fährt womöglich mit Reifen, die bei Nässe oder einer Notbremsung deutlich schlechter greifen als erwartet. Die gute Nachricht: Das Alter steht auf jedem Reifen. Man muss nur wissen, wo.
Warum Reifen altern, auch wenn sie stehen
Ein Reifen besteht aus einer komplexen Gummimischung mit Weichmachern, Füllstoffen und Schutzsubstanzen. Mit den Jahren verflüchtigen sich Weichmacher, Sauerstoff, Ozon, UV-Licht und Temperaturschwankungen greifen die Oberfläche an. Die Folge: Das Gummi wird härter und spröder. Ein harter Reifen passt sich der Strasse schlechter an – und genau diese Verzahnung mit dem Asphalt entscheidet über Haftung, besonders bei Regen und Kälte.
Das betrifft vor allem Fahrzeuge, die wenig bewegt werden: Zweitwagen, Wohnmobile, Anhänger, Oldtimer oder das Auto der Grosseltern, das nur für den Wocheneinkauf aus der Garage fährt. Hier ist das Profil oft noch tief, während das Gummi längst an seine Grenzen kommt.
Die DOT-Nummer: Das Geburtsdatum des Reifens
Auf der Seitenwand jedes Reifens finden Sie eine Zeichenfolge, die mit den Buchstaben «DOT» beginnt. Entscheidend sind die letzten vier Ziffern, meist in einem ovalen Feld. Die ersten zwei Ziffern stehen für die Produktionswoche, die letzten zwei für das Jahr.
| Code | Bedeutung |
|---|---|
| 0321 | 3. Kalenderwoche 2021 |
| 2519 | 25. Kalenderwoche 2019 |
| 4723 | 47. Kalenderwoche 2023 |
| 1226 | 12. Kalenderwoche 2026 |
Die vierstellige Angabe gilt für Reifen ab dem Jahr 2000. Sehen Sie nur drei Ziffern, stammt der Reifen aus den 1990er-Jahren – und gehört unabhängig vom Zustand ersetzt. Nicht wundern: Die DOT-Nummer ist oft nur auf einer Seite eingeprägt. Finden Sie sie aussen nicht, schauen Sie auf der Innenseite nach oder lassen Sie die Garage beim nächsten Service nachsehen.
So gehen Sie vor
- Lenkrad voll einschlagen, damit Sie die Vorderreifen gut sehen
- Auf der Seitenwand die Buchstaben «DOT» suchen
- Am Ende der Zeichenfolge die vier Ziffern im Oval ablesen
- Woche und Jahr notieren – am besten für alle vier Reifen
- Mit dem Handy ein Foto machen, dann haben Sie es beim nächsten Reifenkauf griffbereit
Gibt es in der Schweiz ein gesetzliches Höchstalter?
Nein. Für Personenwagen schreibt das Schweizer Recht kein maximales Reifenalter vor. Gesetzlich verlangt ist eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern und ein betriebssicherer Zustand. Genau hier liegt der Haken: Ein stark gealterter Reifen mit Rissen gilt nicht mehr als betriebssicher. Bei der Motorfahrzeugkontrolle oder nach einem Unfall kann das Folgen haben – bis hin zu Diskussionen mit der Versicherung.
Reifenhersteller und Fachverbände empfehlen deshalb, Reifen regelmässig ab rund sechs Jahren genauer prüfen zu lassen und sie spätestens nach etwa zehn Jahren zu ersetzen – auch wenn sie optisch noch in Ordnung scheinen. Für Anhänger und Wohnwagen mit Tempo-100-Zulassung gelten in der Praxis teils strengere Anforderungen an das Reifenalter; lassen Sie sich hier beim Fachbetrieb beraten.
| Reifenalter | Empfehlung |
|---|---|
| 0–5 Jahre | Normal nutzen, Profil und Druck regelmässig kontrollieren |
| 6–9 Jahre | Jährlich vom Fachbetrieb prüfen lassen, auf Risse achten |
| ab 10 Jahren | Ersetzen, unabhängig von der Profiltiefe |
Warnsignale, die Sie selbst erkennen
- Feine Risse in der Seitenwand oder zwischen den Profilblöcken
- Beulen oder Blasen an der Flanke – sofort in die Werkstatt
- Ausgebleichtes, graues statt tiefschwarzes Gummi
- Das Profil fühlt sich hart und glatt an, statt leicht nachzugeben
- Das Auto rutscht bei Nässe früher weg als gewohnt
- Ungewöhnliche Vibrationen oder Geräusche bei höherem Tempo
«Neu» gekauft – aber wie alt ist der Reifen wirklich?
Ein Reifen, der im Lager lag, ist nicht gleich alt wie einer, der auf dem Auto gefahren wurde. Richtig gelagert – dunkel, kühl, trocken – altert er deutlich langsamer. Branchenüblich gilt ein Reifen bis etwa drei Jahre nach Produktion als neuwertig. Ein Reifen, der ein oder zwei Jahre vor dem Kauf produziert wurde, ist also kein Grund zur Sorge.
Wichtiger ist, dass alle Reifen auf einer Achse ähnlich alt sind und dieselbe Bauart haben. Mischen Sie keine sehr alten mit neuen Reifen auf derselben Achse – das kann das Fahrverhalten spürbar verändern.
So verlängern Sie die Lebensdauer Ihrer Reifen
- Luftdruck mindestens einmal pro Monat und vor langen Fahrten prüfen
- Saisonreifen dunkel, kühl und trocken lagern – nicht neben Heizung oder Werkstattchemie
- Randsteinkontakt beim Parkieren vermeiden
- Bei Wohnmobilen und Anhängern Standplatten vermeiden: Fahrzeug gelegentlich bewegen oder entlasten
- Reifen nicht mit aggressiven Reinigern oder Glanzsprays behandeln
Zeit für neue Reifen?
Finden Sie passende Sommer-, Winter- oder Ganzjahresreifen für Ihr Fahrzeug – mit Montage bei einem Partner in Ihrer Nähe.
Reifen suchenWo finde ich das Herstellungsdatum meines Reifens?
Auf der Seitenwand hinter den Buchstaben «DOT». Die letzten vier Ziffern zeigen Produktionswoche und -jahr, zum Beispiel 2321 für die 23. Woche 2021.
Gibt es in der Schweiz ein Höchstalter für Autoreifen?
Für Personenwagen nicht. Der Reifen muss aber betriebssicher sein und mindestens 1,6 mm Profil haben. Fachleute empfehlen einen Ersatz spätestens nach rund zehn Jahren.
Sind zwei Jahre alte Reifen beim Kauf noch neu?
Ja. Richtig gelagerte Reifen gelten bis etwa drei Jahre nach Produktion als neuwertig und altern im Lager deutlich langsamer als im Fahrbetrieb.
Was bedeutet eine dreistellige DOT-Nummer?
Der Reifen wurde vor dem Jahr 2000 hergestellt. Er sollte unabhängig vom Profil ersetzt werden.
